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Entscheid Verwaltungsrekurskommission, 31.08.06

Art. 310 Abs. 1 und Art. 314a Abs. 1 ZGB: Verhältnismässigkeit einer fürsorgerischen Freiheitsentziehung gegenüber einem Kind, das zur Sonderbeschulung in das Jugendheim Viktoria-Stiftung in Richigen/BE eingewiesen wurde, bis zum absehbaren Zeitpunkt, in dem Schul- und Vormundschaftsbehörde eine andere, die Entlassung des Kindes rechtfertigende, Beschulung organisieren können (Verwaltungsrekurskommission, 31. August 2006, V-2006/87).

 

Das Bundesgericht hat am 22. Dezember 2006 sowohl eine Berufung wie auch eine staatsrechtliche Beschwerde gegen dieses Urteil abgewiesen, soweit auf die Rechtsmittel eingetreten wurde.

 

 

Präsident Ralph Steppacher, Fachrichter Paul Alder und Fachrichterin Ada Hehli Rüst; Gerichtsschreiber Michael Rutz; begutachtende Fachrichterin Domenica Wissler-Casty

 

In Sachen

 

1. A.B.,

und

2. X.Y.,

Klägerinnen,

beide vertreten durch ,

 

gegen

 

Vormundschaftsbehörde Z.

Vorinstanz,

 

betreffend

 

Fürsorgerische Freiheitsentziehung (Unterbringung von V. B, geb. 1991, im Jugendheim Viktoria-Stiftung/Richigen, Abweisung des Entlassungsgesuches)

 

Sachverhalt:

 

A.- V.B. ist am 28. Mai 1991 als Tochter von A.B. und N. S. in M./ZH geboren. Da die Mutter bei der Geburt noch minderjährig war, ordnete die Vormundschaftsbehörde H. am 16. Dezember 1991 eine Vormundschaft für V an, die am 19. Mai 1992 mit Eintritt der Volljährigkeit der Mutter erlosch. Am 24. Juni 1992 wurde von der Vormundschaftsbehörde H. eine Beistandschaft für sie errichtet. Der allein stehenden Mutter wurde am 15. März 1993 die Obhut entzogen und V. wurde bis auf weiteres bei ihrer Grossmutter väterlicherseits, X.Y. (damals S.), in Z. untergebracht. Seither lebt sie bei ihrer Gross- und Pflegemutter und deren langjährigem Lebenspartner und späteren Ehemann, S Y. Heute wohnt auch der Vater von V mit seinem Kind im unteren Stock des gleichen Hauses. Der Mutter von V. wurde ein Besuchsrechts eingeräumt. Am 23. Juni 1999 beschloss die Vormundschaftsbehörde Z., den bestehenden Obhutsentzug sowie die Erziehungsbeiratschaft von der Vormundschaftsbehörde H. zu übernehmen und setzte eine neue Beiständin ein, die am 3. Mai 2000 von einer weiteren Beiständin abgelöst wurde.

 

V. wurde in Z. eingeschult und entwickelte sich vorerst altersgemäss. Nach einem Schulhauswechsel traten aber in der 4. und 5. Klasse Verhaltensauffälligkeiten in der Schule auf. Dies war Anlass für eine schulpsychologische Abklärung, die am 4. Juni 2003 zum Ergebnis kam, dass die psychologische Entwicklung von V. gefährdet erscheine und die erzieherischen Kompetenzen der Pflegeeltern in dieser Situation ungenügend seien. Es wurde eine psychotherapeutische Begleitung und eine Erziehungsberatung empfohlen, was aber in der Folge nicht geschah. Am 15. November 2004 wurde Felix Hof stellvertretend zum Beistand von V. ernannt; am 16. August 2005 wurde er definitiv zum Beistand gewählt.

 

Nach dem Eintritt in die Realschule verschärften sich die Probleme. V. erschien ab Februar 2005 wiederholt unentschuldigt nicht zur Schule, weshalb sie von der Schulleitung am 22. Februar 2005 verwarnt wurde. Zudem verschlechterten sich ihre schulischen Leistungen und es zeigten sich disziplinarische Probleme. In dieser Zeit ging V. regelmässig bis spät in die Nacht nach Zürich in den Ausgang und hatte einen 19-jährigen Freund. Mit Schreiben vom 8. März 2005 teilte der Beistand der Familie Y. mit, dass er für V. auf der Suche nach einem Heim für verhaltensauffällige Mädchen mit interner Sonderbeschulung sei, welches auch über einen geschlossenen Bereich verfüge. Er forderte V. gleichzeitig auf, den Schulbesuch wieder aufzunehmen. In dieser Phase lebte V. kurzzeitig bei ihrer Mutter. Am 8. April 2005 wurde V. im geschlossenen Loryheim in Münsigen/BE vorgestellt. Ein Eintritt kam jedoch wegen ihres Verhaltens nicht zustande. Der Beistand hielt daraufhin in einem Zwischenbericht vom 12. April 2005 fest, V. bereite derzeit grössere Erziehungsprobleme und kooperiere in der Schule gar nicht mehr. Ab 17. Mai 2005 besuchte V. durch Vermittlung ihrer Pflegemutter eine Privatschule. Dort ging sie anfänglich motiviert zur Schule und die ganze Situation beruhigte sich wieder. Da sie jedoch auch dort trotz schriftlicher Ermahnung vom 15. August 2005 wieder oft unentschuldigt fehlte, ersuchte die Schulleitung den Beistand darum, für V. eine andere Lösung zu suchen.

 

B.- Am 23. November 2005 verfügte der Schulratspräsident der Oberstufenschule R.-Z. die Sonderbeschulung im Einzelfall für V. Gleichentags verfügte der Vizepräsident II der Vormundschaftsbehörde Z. die Einweisung von V. zur Beschulung und Erziehung in das Jugendheim der Viktoria-Stiftung in Richigen/BE unter gleichzeitigem Entzug des Obhutsrechts gegenüber den Pflegeeltern. In der Verfügung wurde festgehalten, dass sich an der vorgängigen Besprechung die Pflegemutter, die Mutter und der Vater zwar nicht begeistert von dieser Lösung gezeigt hätten, sie seien aber einverstanden gewesen. Noch am selben Tag ist V. in die geschlossene Durchgangsgruppe für weibliche Jugendliche im Jugendheim der Viktoria-Stiftung eingetreten. Vom 9. Januar bis 24. März 2006 besuchte sie die interne Schule in der Klasse D (wöchentlich 20 Lektionen Unterreicht und fünf begleitete Aufgabenstunden), wobei sie am 24. März 2006 aufgrund von Schulverweigerung vorübergehend aus der Schule ausgeschlossen wurde. Am 7. April 2006 trat V. in die halboffene Durchgangsgruppe über. Seit dem 24. April 2006 besucht sie in der internen Schule die Klasse A (wöchentlich 35 Lektionen Schulunterricht nach kantonal-bernischem Lehrplan und fünf begleitete Aufgabenstunden). V. absolviert nun im neunten Schuljahr das Pensum der achten Klasse (2. Realstufe). Während des gesamten Aufenthalts wurde V. von einem heiminternen Psychologen in regelmässig stattfindenden Gesprächen psychologisch begleitet.

 

C.- Am 19. Mai 2006 beantragten die Pflegeeltern und Eltern bei der Vormundschaftsbehörde Z. die Entlassung von V. aus dem Jugendheim der Viktoria-Stiftung. Sie kritisierten insbesondere, dass V. erst nach fünf Monaten Heimaufenthalt beschult worden sei. Die Vormundschaftsbehörde Z. holte am 29. Mai 2006 vom Beistand, vom Oberstufenschulrat R.-Z. und von der Viktoria-Stiftung Stellungnahmen ein, die sich alle gegen eine Rückkehr von V. zu den Pflegeeltern aussprachen. Am 29. Juni 2006 beantragten die Pflegeeltern sowie A.B. einen Beistandswechsel. Am 5. Juli 2006 wurde V. anlässlich einer Standortbestimmung im Jugendheim der Viktoria-Stiftung von der Vormundschaftsbehörde Z. persönlich angehört. Die Vizepräsidentin III der Vormundschaftsbehörde Z. lehnte das Entlassungsgesuch mit Präsidialentscheid vom 13. Juli 2006 ab.

 

D.- Gegen diese Präsidialverfügung erhoben A.B. und X.Y. mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 28. Juli 2006 Klage bei der Verwaltungsrekurskommission mit den Anträgen, die angefochtene Verfügung sei unter Kosten- und Entschädigungsfolge sofort aufzuheben und das Kind V.B. sei sofort wieder unter die Obhut der Pflegemutter, X.Y., zu stellen. Die Beklagte sei zudem anzuweisen für V.B. auf den Schulanfang nach den Sommerferien 2006 einen geeigneten Schulplatz in Z. zu finden; eventualiter sei V. auf Kosten der zuständigen Behörde je nach Platz und Eignung des Kindes in die Privatschule ISA in Z., allenfalls in die Privatschule IWW in Wetzikon, in die

Schlossschule in Uster oder in die Privatschule Villa Rah in Stäfa einzuschulen.

 

Die Vormundschaftsbehörde Z. stellte am 2. August 2006 die Akten zu.

 

Die ärztliche Fachrichterin, Dr.med. Domenica Wissler-Casty, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie FMH, wurde als Sachverständige beigezogen und mit der fachrichterlichen Einvernahme sowie der Erstellung des gutachtlichen Berichts betraut. Am 24. August 2006 wurde V. im Jugendheim der Viktoria-Stiftung fachrichterlich einvernommen. Die ärztliche Fachrichterin erstattete gleichentags ihren gutachtlichen Bericht.

 

Vor der Verhandlung wurden am 30. August 2006 beim Beistand von V., Herr Hof, telefonisch Auskünfte eingeholt. Dieser berichtete, dass die Pflegeeltern die Heimplatzierung unterlaufen würden. So hätten sie V. versprochen, dass sie nach der Verhandlung nach Hause dürfe. Die Entwicklung von V. im Jugendheim betrachte er als sehr positiv. Sie brauche eine straffe Struktur, die ihr dort geboten werde.

 

E.- Am 31. August 2006 fand im Sitzungszimmer der Verwaltungsrekurskommission die mündliche Verhandlung statt, an welcher V.B., A.B. mit ihrem Ehemann, X.Y. mit ihrem Ehemann, der Rechtsvertreter der Klägerinnen und lic.iur. Christof Thurnherr als Vertreter der Vorinstanz teilnahmen. Dr.med. Domenica Wissler-Casty war als begutachtende, jedoch nicht urteilende Fachrichterin anwesend (vgl. Urteil des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte in Strassburg vom 29. März 2001 in Sachen D.N. gegen die Schweiz, VPB 65.122). Die Aktennotiz betreffend der telefonischen Auskunft beim Beistand von V. wurde mündlich eröffnet.

 

a) V. erzählte auf entsprechende Befragung, sie wolle wieder zu Hause bei ihrer Grossmutter wohnen und würde auch eine Privatschule besuchen. Ein weiterer Aufenthalt im Jugendheim der Viktoria-Stiftung komme für sie nicht in Frage. Dort gefalle es ihr überhaupt nicht. Sie würde nach einer Entlassung keine Rückschritte riskieren, da sie die wiedererlangte Freiheit nicht wieder verlieren wolle. Sie habe nun gesehen, was passieren könne. Es gehe ihr schlecht im Heim. Die anderen Jugendlichen würden sie nerven. Man sei während 24 Stunden nie allein. Etwas Positives könne sie über das Heim nicht sagen. Negativ sei eigentlich alles. Sie habe nur gelernt, dass die Schule wichtig sei. Von ihrer Grossmutter erhalte sie Unterstützung und könne mit ihr über alles reden. Sie sei für sie wie eine Mutter und gleichzeitig auch eine Kollegin. Manchmal gebe es zwar Streit, aber das sei doch normal. In der Phase, als sie nach Zürich in den Ausgang gegangen sei, habe sie auf niemanden gehört. Es habe nicht an ihrer Grossmutter gelegen. Sie habe ihr immer gesagt, dass sie zur Schule gehen müsse. Falls sie wieder nach Hause dürfe, würde sie am Morgen immer Aufstehen und in die Schule gehen. Die Hausaufgaben würde sie auch machen. Unter der Woche würde sie am Abend nicht mehr in den Ausgang gehen. Sie glaube, dass sie das durchziehen werde, weil sie nicht mehr zurück ins Heim wolle. Zudem wolle sie ihre Grossmutter nicht verletzen. Sie habe im Heim gelernt, ein Nein zu akzeptieren. Sie habe keine Angst davor, dass es in der alten Umgebung nicht klappen würde. Sie sei ja auch an den Wochenenden und in den Ferien zu Hause. Ihre alten Kollegen habe sie nicht mehr gern. Sie sei heute mit ganz anderen Leuten zusammen. Die neuen Kollegen würden mehr taugen und seien reifer. Sie habe das den alten Kollegen auch gesagt. Sie sei stolz darauf, dass sie sich verändert habe. Sie habe sich früher wie ein Star benommen. Jetzt im Heim laufe sie auch ungeschminkt herum. Sie wisse, dass das Heim teuer sei.

 

Sie sei damals wegen einem Lehrer, gegen den ein Verfahren laufe, nicht mehr in die Schule gegangen. Am Anfang habe sie nur seine Stunden geschwänzt. Mehrere Mädchen hätten wegen diesem Lehrer einen Brief geschrieben. Man habe dann behauptet, sie sei die Anführerin gewesen. Danach sei sie gar nicht mehr in die Schule gegangen, da sie auf den Geschmack gekommen sei. Sie habe das mit dem Lehrer auch ihrer Grossmutter gesagt. Sie habe gehört, dass man im Pult dieses Lehrers einen Kinderporno und einen Erwachsenenporno gefunden habe. Im Heim sei sie zuerst fünf Monate auf der geschlossenen Wohngruppe gewesen. Dort sei alles abgeschlossen und es habe Gitter vor den Fenstern. Es sei wie im Gefängnis. Nach sechs Wochen habe sie ins Atelier gehen müssen. Dort habe sie den ganzen Tag mit Holz gearbeitet. Danach habe sie rund sechs bis sieben Wochen nur am Morgen Schule gehabt. Als sie auf "Kurve" gegangen sei, habe man sie wieder zurückversetzt. Nun haben sie jeden Tag Schule. Sie sei in der A-Klasse. Im Französisch habe sie einen Fünfer, in Mathe eine Viereinhalb und in Deutsch auch eine Viereinhalb. Im Heim gebe es ein Mädchen, das auf den Strich gegangen, dabei schwanger geworden sei und auch Heroin konsumiert habe. Auf das Kiffen angesprochen, meinte V., sie habe im Heim dreimal gekifft, vorher noch nie. Zigaretten habe sie schon vor dem Heimeintritt geraucht. Aber vielleicht höchstens zehn Zigaretten am Tag. Am liebsten würde sie wieder die öffentliche Schule besuchen, aber nicht mehr bei ihrem alten Lehrer.

 

Am letzten Wochenende sei sie zu Hause gewesen. Es sei gut gegangen. Sie habe fern geschaut und sei am Computer gesessen. Am Samstagnachmittag sei sie mit Kollegen in die Stadt gegangen. Am Sonntag habe sie lange geschlafen und sei am Nachmittag kurz draussen gewesen. Um 17.00 Uhr habe sie sich auf den Rückweg ins Heim machen müssen. Auf die entsprechende Frage des Vertreters der Vorinstanz, gab V. zu, dass sie am letzen Wochenende Cannabis geraucht habe. Im Heim habe sie es sofort zugegeben. Auch der Grossmutter habe sie es danach am Telefon erzählt. In Bezug auf ihr sexualisiertes Verhalten habe sie sich gebessert. Sie trage auch nichts Bauchfreies mehr. Im Loryheim habe sie so einen Spruch gemacht, weil sie hässig gewesen sei. Ihre alte Kollegin habe nur Männer im Kopf. Dieses Verhalten habe sie von dieser Kollegin. Das sei jetzt aber nicht mehr so.

 

b) Die Gross- und Pflegemutter von V.B., X.Y., äusserte auf entsprechende Befragung, sie wisse, dass sie die wichtigste Bezugsperson für V. sei. V. lebe ja auch schon seit sie eineinhalb Jahre alt sei bei ihr. Sie müsse immer um V. kämpfen, wisse aber nicht warum. Sie wisse, dass sie eine grosse Verantwortung habe. V. sei wie ihr eigenes Kind. Sie wolle nur das Beste für sie. Wenn es mal nicht laufe, könne man ein Kind nicht einfach in eine Ecke stellen. Probleme mit V. gebe es erst seit Februar 2005. Bei den Vorfällen im Jahr 2003 habe es sich nur um einen "Zickenkrieg" gehandelt, wobei ein paar Mädchen Banden gebildet hätten. Sie habe sich nur gewehrt und halt immer dabei sein wollen. Man habe damals eine Therapie und eine Beratung vorgeschlagen. Sie sei dann einmal in die vorgeschlagene Maltherapie gegangen. Aber das habe überhaupt nichts gebracht. Das Problem von 2003 habe nichts mit demjenigen von 2005 zu tun. Sie würde nicht sagen, dass es bei ihnen zu Hause zu einer Hierarchieumkehr gekommen sei. V. habe es vielleicht versucht. Sie sei wegen V. oft in der Schule gewesen, auch wegen dem genannten Lehrer. Wegen diesem Lehrer hätten die Probleme angefangen. Beim Übertritt in die Privatschule IWW sei es dann aber schon zu spät gewesen. Sie bestreite nicht, dass V. im Jugendheim Fortschritte gemacht habe. Einen weiteren Aufenthalt erachte sie jedoch als nicht notwendig. Sie sei nun seit fast einem Jahr dort. Sie denke, dass V. nun stabil genug sei, um einen Neuanfang zu machen. Sie glaube ihr. Sie habe eine Chance verdient. Jede Person könne sich ändern. V. sei zudem gerade in einem schwierigen Alter. Die Berichte vom Heim seien widersprüchlich. Einerseits heisse es, V. sei selbstsicher, andererseits sei eine tiefe Unsicherheit erkennbar. Sie habe einen starken Willen. Auf die Frage, warum sie V. jeden Tag ein Päckchen Zigaretten bezahle, meinte X.Y., sie habe gar nicht gewusst, dass V. im Heim Sackgeld erhalte. Sie zahle ihr immer noch jeden Tag ein Päckchen. Sie finde es zwar nicht gut, dass sie rauche, es gebe aber schlimmeres.

 

V. brauche ein Umfeld, das sie verstehe. Sie müsse wissen, dass sie nicht alleine sei. Sie sei immer zu V. gestanden. Sie könne sich nichts vorwerfen. V. habe nun gemerkt, dass sie recht gehabt habe. Ein Kind gehöre nach Hause und nicht eingesperrt. Es habe geheissen, dass der Aufenthalt im Jugendheim nur vorübergehend sei. Sie könne auch nicht verstehen, weshalb man V. den Schulbesuch verweigert habe. Der Beistand habe gesagt, dass V. sich die Schule erst verdienen müsse. Das könne es doch nicht sein. Während der schwierigen Phase hätte sie Unterstützung vom Beistand gebraucht. Als sie ihn gefragt habe, was sie tun solle, habe er nur gemeint, man solle V. machen lassen, sie komme sowieso ins Heim. Das Konzept der Viktoria-Stiftung kenne sie nicht. Es habe einmal eine fünfminütige Besprechung gegeben. Es habe nur geheissen, man müsste V. sofort vorbeibringen. Falls V. wieder nach Hause komme, würde sie nicht viel anders machen. Sie würde verlangen, dass sie auch ein Nein akzeptiere. Ihr Mann sei strenger. Er werde vermehrt mithelfen. Sie würde mit V. auch eine Therapie besuchen. Das letzte Wochenende, als V. zu Hause gewesen sei, sei für sie gut gelaufen. V. sei viel zu Hause gewesen. Sie sei einmal draussen gewesen, dabei habe sie wohl gekifft. Das sei aber wegen dem Bammel vor der heutigen Verhandlung gewesen. Herr Hof habe auch vom volljährigen Freund gewusst, sei aber nicht eingeschritten.

 

c) Die leibliche Mutter von V., A.B. gab an, dass sie sich eher im Hintergrund halte. Sie habe aber regelmässig Kontakt zu V.. Im Heim habe sie auch schon angerufen, aber nicht täglich wie die Grossmutter. Die Hauptverantwortung für V. im Alltag trage die Grossmutter. Sie selbst führe ein geregeltes Leben. Sie sei verheiratet, habe ein Kind und gehe einer selbständigen Erwerbstätigkeit nach. Während der schwierigen Phase habe sie angeboten, dass V. bei ihr leben könne. Dies sei jedoch abgelehnt worden. V. wolle zur Grossmutter zurück. Ihre Türe sei aber auch immer offen für sie. Es habe kleinere Differenzen zwischen ihr und der Grossmutter gegeben, da sie der Ansicht gewesen sei, V. werde zu sehr verwöhnt. Sie habe Fortschritte bei V. festgestellt. So helfe sie beispielsweise heute auch im Haushalt mit. Sie traue es V. zu, dass sie es packen werde. Es sei nicht wahr, dass man V. versprochen habe, dass sie heute nach der Verhandlung nach Hause dürfe.

 

d) Die Ehemänner der Klägerinnen bestätigten die Angaben ihrer Ehefrauen.

 

e) Der Rechtsvertreter der beiden Klägerinnen hielt an den schriftlich gestellten Anträgen fest. Ergänzend zu seiner schriftlichen Eingabe führte er aus, es herrsche eine schlechte Stimmung zwischen dem Beistand und den übrigen Beteiligten. Das werde deutlich in einem Mail, das der Beistand geschrieben habe. V. sei kein verwahrlostes Kind, sie sei in guten Händen. Nun werfe man Frau Y. Unfähigkeit vor. Von schlechten Zuständen spreche aber niemand. Die Vormundschaftsbehörde habe nie nach dem Grund für das Schuleschwänzen gefragt. Der Kern des Problems sei der genannte Lehrer gewesen. So ein Erlebnis sei schwierig. Es sei daher verständlich, dass sie sich zurückgezogen habe. Dies habe die Vormundschaftsbehörde aber nie abgeklärt. Drogen und Kriminalität seien bei V. kein Thema gewesen. Hier wäre eine mildere Massnahme angezeigt. Man dürfe nicht vergessen, dass man es hier mit einem 15-jährigen Mädchen zu tun habe. Sie habe heute einen guten Realitätsbezug gezeigt. Im heutigen "Kreuzverhör" habe sie sich sehr gut gehalten. Sie habe sich heute so gezeigt, wie sie wirklich sei. Das Jugendheim der Viktoria-Stiftung sei für Kriminelle und Drogensüchtige. Es gebe auch andere Heime. Für ein Kind, das nur die Schule verweigert habe, sei dies der falsche Ort. Es würden sehr strenge Regeln gelten. Regelverletzungen hätten Sanktionen, wie Schulverbot oder Streichung des Ausgangs oder des Besuchs bei den Eltern, zur Folge. Dieser Ansatz sei falsch. Das Kind müsse man integrieren. V. habe dort auch mit dem Kiffen angefangen. Man müsse sie adäquat beschulen. Dies könne auch in einer anderen Sonderschule geschehen, obwohl das eigentlich nicht nötig wäre. Ihre Umgebung in R. sei nicht gefährdend für sie. Sie könne also auch wieder in die öffentliche Schule gehen. Man dürfe nicht beurteilen, welche Erziehung nötig sei. Darüber könne man sich streiten.

 

f) Der Vertreter der Vorinstanz gab zu Protokoll, der genannte Lehrer habe sich erwiesenermassen gegenüber Mädchen obszön geäussert. Zwei Schülerinnen hätten in seinem Pult zwei CDs mit Nacktbildern und Softsex gefunden. Kinderpornographie sei nicht dabei gewesen. Das eingeleitete Strafverfahren sei inzwischen abgeschlossen. Es habe dem Lehrer kein strafbares Verhalten nachgewiesen werden können. Er sei zudem mittlerweile pensioniert. Vorwürfe gegenüber dem Beistand sollten hier kein Thema sein. Er könne sich ja selbst nicht dagegen wehren.

 

Der Vertreter der Vorinstanz beantragte die kostenfällige Abweisung der Klage, soweit auf sie einzutreten sei. Zur Begründung brachte er vor, das Eingreifen der Vormundschaftsbehörde sei dringend erforderlich gewesen, da das Wohl von V. stark gefährdet gewesen sei. Dies habe sich einerseits an ihrem Verhalten in der Schule gezeigt, andererseits seien auch erzieherische Probleme sichtbar geworden. Bereits in der Primarschule seien Schwierigkeiten aufgetreten und im Jahr 2003 seien diese Probleme erstmals aktenkundig geworden. Im Jahr 2003 habe eine schulpsychologische Abklärung stattgefunden, die zum Schluss gekommen sei, dass die psychische Entwicklung von V. stark gefährdet sei. Auch ausserhalb der Schule sei es zu Auffälligkeiten gekommen. V. konsumiere seit geraumer Zeit Cannabis. Die Grossmutter bestreite dies. Beide Eltern von V. seien diesbezüglich vorbelastet. Die Mutter sei Drogenkonsumentin gewesen. Der nicht sorgeberechtigte Vater konsumiere heute noch zumindest weiche Drogen. Er betreibe in R. ein Tatoo-Studio und es sei bekannt, dass bei ihm mindestens weiche Drogen bezogen werden könnten. Am letzten Wochenende habe V. nachgewiesenermassen Cannabis konsumiert. Sie trinke auch seit einigen Jahren Alkohol. Spätestens im Jahr 2005 habe sie eine intime Beziehung zu einem volljährigen jungen Mann unterhalten, in welcher es nach seinen Angaben regelmässig zum Geschlechtsverkehr gekommen sei. Der junge Mann sei in der Pflegefamilie ein und aus gegangen, woraus ersichtlich werde, dass die Pflegemutter diesen Kontakt wissentlich geduldet habe. Aufgrund dieser Indikationen sei nur noch eine Institution mit geschlossener Beschulungsmöglichkeit in Frage gekommen. Es seien verschiedene Institutionen abgeklärt worden. Als einzige Lösung sei die Viktoria-Stiftung in Frage gekommen. Seit dem Entzug der Obhut habe sich der Zustand von V. noch nicht massgebend verbessert. Dies ergebe sich aus den Berichten der Viktoria-Stiftung. Auf Grenzsetzungen reagiere V. immer noch mit Ablehnung und Trotz. Ihre aktuelle Situation nehme sie mit wenig Einsicht zur Kenntnis. Die Gefahr des Rückfalls in alte Verhaltensmuster sei beträchtlich. Auch in Bezug auf den Schulstoff weise sie grosse Lücken auf, die bis heute noch nicht hätten geschlossen werden können.

 

g) Die begutachtende Fachrichterin berichtete in Ergänzung zu ihrem schriftlichen Bericht, die Indikation für die Platzierung von V. sei vor neun Monaten zweifellos gegeben gewesen. Die Sonderbeschulung sei nötig. Es sei ein Erfolg eingetreten. V. könne aber noch weitere Fortschritte machen. Ihre Unreife lasse sich auf das bisherige Erziehungskonzept zurückführen, in dem das Wohlsein im Zentrum gestanden habe. Ein Schulkind brauche aber auch verbindliche Regeln. Das Jugendheim der Viktoria-Stiftung sei fachlich eine gute Institution, die ein modernes Erziehungskonzept verfolge und V. den notwendigen Rahmen biete. Ein kurzfristiger Austritt von V. ohne konkrete Alternative sei im heutigen Zeitpunkt nicht realistisch.

 

h) Darauf entgegnete der Rechtsvertreter der Klägerinnen, die begutachtende Fachrichterin habe ihre Praxis in Rapperswil, weshalb sie wohl auch Beziehungen zur Vormundschaftsbehörde Z. habe. Sie habe eine Prognose gestellt, die nicht stimme. V. sei schulisch auf dem normalen Stand. Heute sei der richtige Zeitpunkt für einen sofortigen Austritt, da das Schuljahr erst begonnen habe. Schulische Lücken seien im Übrigen auch kein Grund für eine fürsorgerische Freiheitsentziehung.

 

i) Auf weitere Ausführungen der Beteiligten sowie die Akten wird, soweit notwendig, in den Erwägungen eingegangen.

 

Erwägungen:

 

1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen.

 

a) Die Verwaltungsrekurskommission beurteilt die gerichtliche Anfechtung der fürsorgerischen Freiheitsentziehung im Verfahren der öffentlich-rechtlichen Klage (Art. 397d des Schweizerischen Zivilgesetzbuches, SR 210, abgekürzt: ZGB; Art. 75f des Einführungsgesetzes zum Schweizerischen Zivilgesetzbuch, sGS 911.1, abgekürzt: EG zum ZGB; Art. 71a lit. a, 71c Abs. 1 und 71d in Verbindung mit Art. 48 Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP).

Nach Art. 310 Abs. 1 ZGB hat die Vormundschaftsbehörde den Eltern die elterliche Obhut zu entziehen, wenn der Gefährdung des Kindes nicht anders begegnet werden kann. Wird das Kind im Rahmen des Obhutsentzugs von der Behörde in einer Anstalt untergebracht, gelten sinngemäss die Vorschriften über die gerichtliche Beurteilung und das Verfahren bei der fürsorgerischen Freiheitsentziehung gegenüber mündigen und entmündigten Personen (Art. 314a Abs. 1 ZGB; vgl. BGE 109 II 388 E. 1; Pr 1984 Nr. 103; M. Lustenberger, Die Fürsorgerische Freiheitsentziehung bei Unmündigen unter der elterlichen Gewalt, Freiburg 1987, S. 159 f.).

 

Gemäss Art. 314a Abs. 1 ZGB liegt eine fürsorgerische Freiheitsentziehung einzig dann vor, wenn das Kind in einer "Anstalt" im Sinne des Gesetzes untergebracht wird. Die sachliche Zuständigkeit der Verwaltungsrekurskommission ist vorliegend nur gegeben, wenn es sich beim Jugendheim der Viktoria-Stiftung um eine Anstalt im Sinne des Gesetzes handelt.

 

Der Begriff "Anstalt" im Sinne von Art. 314a Abs. 1 ZGB wird im Gesetz nicht näher definiert. Gemäss der Botschaft des Bundesrates aus dem Jahre 1977 zur Gesetzesnovelle der fürsorgerischen Freiheitsentziehung ist der Begriff Anstalt in einem sehr weiten Sinn zu verstehen. Unter dem Begriff Anstalt sind danach nicht nur jene Einrichtungen zu verstehen, die im täglichen Sprachgebrauch als Anstalten bezeichnet werden, sondern alle möglichen "Vorsorgeeinrichtungen", in denen Personen ohne oder gegen ihren Willen persönliche Fürsorge erfahren (BBl 1977 III, S. 28). Dazu zählen nicht nur geschlossene Anstalten, sondern alle Institutionen, welche die Bewegungsfreiheit der betroffenen Personen aufgrund der Betreuung und Überwachung spürbar einschränken (vgl. BGE 121 III 306 E. 2b mit Hinweisen).

 

Die Frage, ob eine bestimmte Institution als Anstalt im Sinne von Art. 314a Abs. 1 ZGB gilt, hängt somit mit der Frage zusammen, ob das Kind behördlich in einer freiheitsentziehenden Institution untergebracht wird. Wirkt die Institution gegenüber einem Kind freiheitsentziehend, handelt es sich um eine Anstalt im Sinne des Gesetzes. Freiheitsentziehend ist eine Institution, sobald der Aufenthalt in der Institution als Eingriff in die Garantie der persönlichen Freiheit des Kindes zu werten ist (vgl. GVP 1993 Nr. 27 mit Hinweis auf Lustenberger, a.a.O., S. 83).

 

Die Garantie der persönlichen Freiheit schützt nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung nicht nur die Bewegungsfreiheit und die körperliche Identität, sondern darüber hinaus alle Freiheiten, die elementare Erscheinungsformen der Persönlichkeitsentfaltung des Menschen darstellen (vgl. BGE 107 Ia 52 E. 3a). Nur wenn die Summe aller Beschränkungen der persönlichen Freiheit, denen das Kind in der Institution ausgesetzt ist, ein Ausmass erreicht, das im Vergleich zur Summe der Beschränkungen, die seine Altersgenossen in der durchschnittlichen Familie erfahren, eindeutig grösser ist, kann von einer Anstalt im Sinne von Art. 314a Abs. 1 ZGB die Rede sein (vgl. GVP 1993 Nr. 27 mit Hinweis auf Lustenberger, a.a.O., S. 87, 100 und 104).

 

Die Vorinstanz verfügte die Unterbringung von V.B. im Jugendheim der Viktoria Stiftung. Dieses Jugendheim ist für 12 bis 20-jährige weibliche und männliche Jugendliche vorgesehen, deren Ablösungs- und Integrationsprobleme innerhalb des bisherigen Umfeldes nicht gelöst werden konnten und für die somit ein Milieuwechsel erforderlich wurde. Der pädagogische Bereich unterteilt sich für männliche und weibliche Jugendliche je in eine Wohngruppe im geschlossenen, halboffenen und offenen Rahmen. Der Aufenthalt in jeder Wohngruppe ist in Phasen und Stufen unterteilt (vgl. Wegleitung der Viktoria-Stiftung Richigen, S. 13, act. 14).

 

Nachdem V.B. ab ihrem Eintritt am 23. November 2005 fünf Monate auf der geschlossenen Wohngruppe war, ist sie nun seit dem 7. April 2006 auf der halboffenen Übergangsgruppe untergebracht. Diese zeichnet sich durch einen engen Rahmen (Hausordnung, Sanktionenkatalog, Urinproben), einen klar strukturierten Tagesablauf und eine sehr intensive Betreuung, vor allem auch die geregelte Freizeit, aus. Sie umfasst eine Eintrittsphase sowie zwei weitere Phasen. Jede höhere Phase bietet dem Jugendlichen zusätzliche Freiheiten und Privilegien. Auch Rückstufungen sind denkbar.

 

Die Betreuung von V.B. im Jugendheim der Viktoria-Stiftung geht damit weit über das übliche Mass an Pflege und Erziehung hinaus, wie sie bei einem gleichaltrigen Jugendlichen in der Familie oder einem gewöhnlichen Jugendheim oder einem Kinderheim vorliegt. Die Jugendlichen sind wesentlich weitergehenden Freiheitsbeschränkungen unterworfen als andere Jugendliche, die ebenfalls die Weisungen des Obhutsberechtigten befolgen müssen. Die relevanten Kriterien zur Überprüfung der Beschränkungen der persönlichen Freiheit, der die Jugendlichen unterworfen sind, ergeben also, dass diesbezüglich von einer Anstalt im Sinne von Art. 314a ZGB auszugehen ist. Die sachliche Zuständigkeit der Verwaltungsrekurskommission ist mithin gegeben.

 

b) Das Recht gegen Anordnungen einer fürsorgerischen Freiheitsentziehung den Richter anzurufen, steht dem betroffenen unmündigen Kind, sofern es das 16. Lebensjahr zurückgelegt hat, oder einer ihm nahestehenden Person zu (Art. 397d Abs. 1 und Art. 314a Abs. 2 ZGB). Als Grossmutter und Mutter von V. sind X.Y. und A.B. als nahestehende Personen zur Klageerhebung ermächtigt (BGE 122 I 18 E. 2c/bb mit Hinweisen; Lustenberger, a.a.O., S 140).

 

c) Die Klage vom 28. Juli 2006 ist rechtzeitig eingereicht worden und erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen.

 

d) Die Verwaltungsrekurskommission beurteilt nach ständiger Rechtsprechung den Obhutsentzug und die fürsorgerische Freiheitsentziehung gemeinsam, da Art. 310 Abs. 1 ZGB und Art. 314a Abs. 1 ZGB zwingend miteinander verknüpft sind. Weder dem Obhutsentzug noch der fürsorgerischen Freiheitsentziehung kommt in diesem Verfahren eine selbständige Bedeutung zu (VRKE V vom 1. April 1999 in Sachen R.G., S. 14 mit weiteren Hinweisen; BGE 120 II 384 E. 4b), denn der Obhutsentzug ist notwendige Voraussetzung der Anordnung einer fürsorgerischen Freiheitsentziehung gegenüber einer unmündigen Person. Erweist sich die fürsorgerische Freiheitsentziehung in der gerichtlichen Überprüfung als rechtmässig und angemessen, so ist auch der Obhutsentzug zu bestätigen; andernfalls ist mit der Aufhebung der fürsorgerischen Freiheitsentziehung auch der Obhutsentzug aufzuheben. Eine selbständige richterliche Beurteilung des Obhutsentzugs ergäbe keinen Sinn, weil ein Obhutsentzug stets mit einer entsprechenden Unterbringung verbunden ist (vgl. dazu ZVW 1996, S. 121 ff.; AJP 1995, S. 364; Lustenberger, a.a.O., S. 159).

 

e) Gleichzeitig mit dem Obhutsentzug und der Unterbringung von V. im Jugendheim der Viktoria-Stiftung vom 23. November 2005 durch den Präsidenten der Vormundschaftsbehörde Z., hat der Präsident der Oberstufenschule R.-Z. die Sonderbeschulung im Einzelfall von V. verfügt (act. 4/43). Diese Verfügung ist unangefochten in Rechtskraft erwachsen. Über die Frage, ob V. einer Sonderbeschulung bedarf, kann die Verwaltungsrekurskommission nicht entscheiden. Festzuhalten ist in diesem Zusammenhang jedoch, dass gemäss Art. 37 des Volkschulgesetzes (sGS 213.1, abgekürzt: VSG) der Schulrat für behinderte Kinder, die nicht in Regel- und Kleinklassen geschult werden können, den Besuch einer Sonderschule anordnet. Als Behinderung im Sinne dieser Bestimmung, ist neben der körperlichen und geistigen Behinderung auch eine sozialpädagogische Behinderung gemeint. Für die Durchführung der Sonderbeschulung sorgen in erster Linie die Eltern in Zusammenarbeit mit dem Schulrat (Art. 38 Abs. 1 VSG). Wenn die Eltern diese Pflicht vernachlässigen, benachrichtigt der Schulrat nach Art. 38 Abs. 2 VSG die Vormundschaftsbehörde. Diese hat dann das Kind einer Sonderschule zuzuweisen. Der Schulrat prüft jährlich die Rückversetzung von Schülern der Kleinklasse in die Regelklasse und von Schülern der Sonderschule in die Kleinklasse oder in die Regelklasse (Art. 40 VSG). Vorliegend hat diese Überprüfung also am 23. November 2006 stattzufinden. Die Frage, ob eine Sonderbeschulung nach wie vor notwendig ist bzw. ob allenfalls andere geeignete Möglichkeiten zur Sonderbeschulung bestehen, ist nicht Gegenstand des Klageverfahrens betreffend fürsorgerische Freiheitsentziehung.

 

f) Zusammenfassend ergibt sich, dass auf die Klage einzutreten ist, soweit die Aufhebung der Verfügung der Präsidentin der Vormundschaftsbehörde Z. vom 13. Juli 2006 sowie die Entlassung von V.B. aus dem Jugendheim der Viktoria-Stiftung sowie die Aufhebung des Obhutsentzuges verlangt wird (Ziff. 1 und 2 der Anträge gemäss Klageschrift). Streitgegenstand bildet einzig die fürsorgerische Freiheitsentziehung gegenüber einem Unmündigen und der damit verbundene Obhutsentzug gegenüber ihren Pflegeeltern, nicht aber die von den Klägerinnen gewünschte Suche nach einem geeigneten Schulplatz oder die Anordnung einer geeigneten psychologischen Betreuung von V.B. (Ziff. 3 und 4 der Anträge gemäss Klageschrift). Auf diese Anträge ist daher mangels sachlicher Zuständigkeit der Verwaltungsrekurskommission nicht einzutreten.

 

2.- Die angefochtene Präsidialverfügung vom 13. Juli 2006 sowie das vorinstanzliche Verfahren sind von Amtes wegen auf ihre formelle Rechtmässigkeit hin zu überprüfen.

 

a) Bei der angefochtenen Verfügung der Vormundschaftsbehörde Z. handelt es sich um eine Präsidialverfügung. Eine solche ist gemäss Art. 23 Abs. 1 VRP zulässig in Fällen, die keinen Aufschub gestatten und in denen die Gesamtbehörde nicht rechtzeitig einberufen werden kann. Der Präsident hat der Gesamtbehörde an der nächsten Sitzung über die ergangene Verfügung Bericht zu erstatten (Art. 23 Abs. 2 VRP).

 

Das Entlassungsgesuch wurde am 19. Mai 2006 gestellt (act. 4/50). Am 14. Juni 2006 fand eine ordentliche Sitzung der Vormundschaftsbehörde Z. statt, an welcher vom Entlassungsgesuch Kenntnis genommen wurde. Die Präsidialverfügung erging dann am 13. Juli 2006. Angesichts der zweimonatigen Dauer dieses Verfahrens erscheint das Vorliegen der zeitlichen Dringlichkeit fraglich. Die Zulässigkeit der Präsidialverfügung kann jedoch aufgrund besonderer Umstände in der Streitsache bejaht werden, da das neue Schuljahr bevorstand und alle Beteiligten an einem möglichst raschen Entscheid interessiert waren. Die Voraussetzungen von Art. 23 Abs. 1 VRP sind daher gerade noch als erfüllt zu betrachten.

 

b) Vollständigkeitshalber ist darauf hinzuweisen, dass das rechtliche Gehör durch die Anhörung von V.B. und das Standortgespräch mit den Klägerinnen gewährt wurde (act. 56 und 59; vgl. GVP 1999 Nr. 40 und 41). Die vorinstanzliche Verfügung ist zudem hinreichend begründet und verstösst damit nicht gegen den aus Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung (SR 101) fliessenden Anspruch auf eine angemessene Begründung (GVP 1998 Nr. 45).

 

c) Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das vorinstanzliche Verfahren, dessen Überprüfung Gegenstand des vorliegenden Klageverfahrens ist, nicht zu beanstanden ist.

3.- Kann der Gefährdung des Kindes nicht anders begegnet werden, so hat die Vormundschaftsbehörde es den Eltern, oder wenn es sich bei Dritten befindet, diesen wegzunehmen und in angemessener Weise unterzubringen (Art. 310 Abs. 1 ZGB). Im Gegensatz zu mündigen oder entmündigten Personen, bei denen zumindest ein in Art. 397a Abs. 1 ZGB genannter Einweisungsgrund vorliegen muss (Geisteskrankheit, Geistesschwäche, Trunksucht, andere Suchterkrankung oder schwere Verwahrlosung), können Unmündige bereits bei einer Gefährdung, der nicht auf andere Weise begegnet werden kann, in angemessener Weise untergebracht werden. Eine Gefährdung im Sinne von Art. 310 Abs. 1 ZGB ist dann gegeben, wenn das Kind im vorhandenen Umfeld nicht mehr in der für seine körperliche, geistige und sittliche Entfaltung nötigen Weise geschützt und gefördert wird. Dabei kann eine solche Gefährdung insbesondere auf Umständen beruhen, wie sie in Art. 397a Abs. 1 ZGB umschrieben sind. Jedoch können auch andere Umstände, die keinen in Art. 397a Abs. 1 ZGB genannten Einweisungsgrund bei Mündigen oder Entmündigten erfüllen, eine rechtlich relevante Gefährdung im Sinne von Art. 310 Abs. 1 ZGB begründen. Besteht nach den Umständen die ernstliche Möglichkeit einer Beeinträchtigung des Kindeswohls, so ist das Kind gefährdet. Es ist nicht erforderlich, dass sich diese Gefährdung bereits verwirklicht hat (GVP 1990 Nr. 37 mit weiteren Hinweisen).

 

Zu prüfen ist im Folgenden, ob im heutigen, für das Urteil massgebenden Zeitpunkt eine Gefährdung des Kindeswohls im Sinne von Art. 310 Abs. 1 ZGB gegeben ist.

 

a) Dem Schulpsychologischen Bericht vom 4. Juni 2003 ist zu entnehmen, dass V. bereits in der 4. und 5. Klasse negativ auffiel. In diesem Bericht wird ausgeführt, dass die psychische Entwicklung von V. gefährdet scheine. Sie verfüge über eine hohe emotionale Erregbarkeit und könne unter belastenden Bedingungen leicht verwirrt und in einem nicht der Situation angemessenen Verhalten reagieren. Sie wolle ihre eigene Welt aufbauen, unabhängig sein und sich nichts sagen lassen. In gewissen Situationen gerate sie aufgrund ihres Temperaments und ihrer niedrigen Kontrolle recht schnell aus der Fassung. Aufgrund der lebensgeschichtlichen Ereignisse und der familiären Verhältnisse sei diese Konstellation sicherlich nicht ungefährlich und berge die Gefahr einer anhaltenden psychischen Fehlentwicklung, wenn nicht aktiv etwas unternommen werde. Einerseits würden die erzieherischen Kompetenzen der Pflegeeltern in dieser schwierigen Situation nicht genügen und andererseits würden die anhaltenden Auseinandersetzungen zwischen allen Beteiligten wegen dem Besuchsrecht und die unterschiedliche erzieherische Grundhaltung für Konflikte sorgen.

 

Nach dem Übertritt in die Realschule schilderte der Beistand in einem ausserordentlichen Zwischenbericht vom 12. April 2005, dass V. die Erziehungsanordnungen ihrer Grosseltern ignoriere. Seit Februar 2005 verweigere V. immer wieder den Schulbesuch. Während des Schulunterrichts falle sie disziplinarisch extrem auf. Ihre Schulleistungen seien katastrophal bis schlecht, was sie aber nicht kümmere. Sie sei auch in Schlägereien mit gleichaltrigen Mädchen verwickelt. Einen wesentlichen Teil ihrer Freizeit verbringe sie in Zürich, mehrheitlich wahrscheinlich bei ihren Freund. Pädagogische Anweisungen pariere sie mit übelstem Vokabular und absolutem Widerstand. Die Privatschule IWW, welche V. ab dem 17. Mai 2005 durch die Vermittlung ihrer Pflegemutter besuchte, ermahnte sie am 15. August 2005 wegen unentschuldigten Absenzen und ersuchte deswegen den Beistand am 27. September 2005 für V. eine andere Lösung zu suchen. Dabei hielt die IWW zusätzlich fest, dass sich V. grundsätzlich freundlich und anständig verhalten habe. Bei Kritik könne sie aber völlig ausrasten und verwende dann bei ihren wüsten Beschimpfungen Wörter aus der untersten Schublade.

 

In der Heimeinweisungsverfügung der Vormundschaftsbehörde Z. vom 23. November 2005 wird ausgeführt, dass eine Rückkehr in die öffentliche Realschule nicht mehr in Frage komme. Der Oberstufenschulrat und der Beistand hätten aufgrund der gegeben Lage und bei Berücksichtigung der vermehrt auftretenden extremen Gefährdung von V. nur noch eine stationäre Beschulung in einem dafür geeigneten straffen Rahmen gesehen. Als derzeit einzige Möglichkeit biete sich das Jugendheim der Viktoria-Stiftung an. Eine Beschulung von V. sei nur noch im stationären Rahmen in einer straff geführten pädagogischen Institution möglich, nachdem alle Möglichkeiten der öffentlichen Schule wie auch der Privatschule IWW ausgereizt worden seien. Die Heimeinweisung werde im Weiteren nötig, um der zusätzlich im ausserschulischen Bereich manifest werdenden erheblichen Gefährdung von V. zu begegnen.

 

b) Dem Kurzbericht des Psychologen des Jugendheims der Viktoria-Stiftung vom 5. Juni 2006 ist zu entnehmen, dass V. seit dem Eintritt in das Jugendheim erfreuliche Fortschritte gemacht habe. Die problematischen Verhaltensmuster hätten sich reduziert. Sie zeige sich zielorientierter und verantwortungsbewusster. Dabei müsse aber berücksichtigt werden, dass sich diese positiven Verhaltensänderungen vor dem Hintergrund der klaren Strukturen und Grenzsetzungen entwickelt hätten. Damit sich diese Stabilisierung nachhaltig verfestigen könne, benötige V. weiterhin ein klar strukturiertes, professionelles Umfeld mit einer engmaschigen sozialpädagogischen Betreuung. Ansonsten bestehe die Gefahr, dass die positive Entwicklung von V. gefährdet sei. Aus psychologischer Sicht sei eine weitere Heimplatzierung mit interner Schule indiziert. V. sollte weiterhin die Möglichkeit erhalten, eine Psychotherapie zu besuchen, um ihre eigene Problematik und die familiären Umstände zu bearbeiten. Ausserhalb der Therapie habe sie wieder vermehrt ein sexualisiertes Verhalten gezeigt. Sie habe einen tiefen Selbstwert und schmücke sich mit jungen Männern.

 

Der pädagogische Verlaufsbericht vom 5. Juni 2006 beschreibt, dass sich V. nicht gewohnt sei, sich mit klaren Grenzsetzungen auseinandersetzen zu müssen und diese zu akzeptieren. Auf Aufträge und Anweisungen reagiere sie teilweise mit einer massiven Trotzhaltung, was zu verschiedenen Sanktionen (unter anderem zehn Einschlüsse) geführt habe. Sie zeige aber auch gegenüber den anderen Jugendlichen ein gutes Sozialverhalten. Nach dem Übertritt in die halboffene Wohngruppe habe sie sich dort schnell zurechtgefunden, brauche aber bei der Erledigung der Haushaltarbeiten noch intensive Betreuung.

 

c) Anlässlich der Einvernahme vom 24. August 2006 durch die begutachtende Fachrichterin gab V. an, sie sei eine Zeit lang nicht in die Schule gegangen und habe gemacht, was sie wollte. Sie sei bis spätnachts nach Zürich in den Ausgang gegangen und habe ihrer Grossmutter nichts glauben wollen. Diese hätte nicht mehr gewusst, was sie machen solle. Nun habe sie ihre Fehler aber eingesehen und würde ihre Zukunft nicht mehr verbauen.

 

Laut dem schlüssigen Bericht der begutachtenden Fachrichterin vom 24. August 2006, wirke der Zustand von V. noch wenig gefestigt. Hinter ihrer oberflächlichen Freundlichkeit und Gesprächigkeit sei eine tiefe Unsicherheit spürbar. Sie habe noch keinen ihrem Alter entsprechenden Realitätsbezug. Sie versuche die Erwachsenen zu manipulieren. Emotional sei sie noch labil. Sie habe sehr gute Ressourcen, sowohl kognitiv als auch bezüglich ihrer Lernfähigkeit im sozialen Bereich. Die Entwicklung von V. sei gefährdet. Die Gefahren würden sowohl im schulischen als auch im sozialen Bereich liegen. Auch im Umgang mit jungen Männern, der Cannabiskonsum und ihre Nikotinabhängigkeit seien Grund zur Besorgnis.

 

An der mündlichen Verhandlung erklärte die begutachtende Fachrichterin, bei V.B. sei es wegen einem Erziehungsnotstand zu einer Entgleisung gekommen.

 

d) Aufgrund der Ereignisse der Vergangenheit und den schlüssigen Berichten der Fachleute steht fest, dass V. nicht in der Lage ist, sich an Regeln zu halten und erhebliche disziplinarische Schwierigkeiten hat. Die Pflegeltern haben für V. zwar immer nur das Beste gewollt und sind ihr immer beigestanden, waren aber bisher nicht fähig, ihr klare Grenzen zu setzen und ihrer negativen Entwicklung entgegenzuwirken. V. befindet sich ihrem Alter entsprechend in der Pubertät, einer Lebensphase, die für die Jugendlichen eine Vielzahl von Veränderungen mit sich bringt, wo grundlegende schulische und berufliche Entscheide getroffen werden müssen und eine persönliche Neuorientierung stattfindet, die zudem mit der Ablösung von der Familie verbunden ist. In der nächsten Zeit werden sich für V. zusätzlich neue Probleme - insbesondere mit der Entwicklung (Erwachsenwerden, Abgrenzung gegenüber Erwachsenen und Aufbau eines eigenen ausserfamiliären Beziehungsnetzes) oder der bevorstehenden Berufswahl - stellen, die gleichzeitig aber auch Chancen eröffnen. Um diese zu nutzen, ist sie auf ein Umfeld und Bezugspersonen angewiesen, die ihr eine intensive Betreuung und einen strengen Rahmen bieten können. Ein solches Umfeld können ihr die Pflegeltern und das übrige familiäre Umfeld ohne Unterstützung nicht geben. Vielmehr ist davon auszugehen, dass die Familie die Problematik unterschätzt. V. bedarf eines Umfelds, welches sie nicht nur unterstützt, sondern ihr auch klare Grenzen setzt.

 

Die Entwicklung von V. ist in schulischer Hinsicht stark gefährdet. Bereits in der Primarschule verhielt sie sich auffällig. In der Realschule hat sie dann wiederholt die Schule geschwänzt und schwache Leistungen gezeigt. Die Klägerinnen machen zwar geltend, dass V. nur wegen des Lehrers Schöneberger nicht mehr zu Schule gegangen sei. Die Vorinstanz hat bestätigt, dass dieser Lehrer nachgewiesenermassen Mädchen obszön belästigt habe. Ein gegen ihn eingeleitetes Strafverfahren habe jedoch zu keiner Verurteilung geführt. Insofern ist es nachvollziehbar, dass V. die Stunden dieses Lehrers geschwänzt hatte, obwohl ihr und ihren Pflegeeltern bewusst sein musste, dass dies kein Dauerzustand sein konnte. Das Schwänzen der übrigen Schulstunden kann hingegen nicht auf das Verhalten dieses Lehrers zurückgeführt werden. So meinte sie auch selbst, dass sie danach auf den Geschmack gekommen sei. Sehr auffällig ist auch, dass V. die zweite Chance, die man ihr mit dem Besuch der Privatschule IWW geboten hatte, nicht nutzte. Auch dort hat sie wiederholt unentschuldigt gefehlt und hat teilweise ein disziplinarisches Fehlverhalten an den Tag gelegt. Eine Gefährdung besteht auch bezüglich ihres nachgewiesenen Cannabiskonsums. Zwar ist anhand der Akten nicht erwiesen, dass V. bereits vor dem Heimeintritt Cannabis konsumiert hat, es ist aber davon auszugehen, dass sie diesbezüglich auch bei einer Rückkehr in den Haushalt ihrer Grossmutter gefährdet wäre. Dies zeigt sich insbesondere dadurch, dass sie am letzten Wochenende zu Hause Cannabis konsumiert hat. Die Erklärung, sie habe Angst vor der heutigen Verhandlung gehabt, ist nicht geeignet, die bestehende Gefährdung zu beschönigen. Schliesslich ist V. auch durch ihr sexualisiertes Verhalten und ihre Freizeitgestaltung, welche nicht ihrem Alter entsprechen, gefährdet.

 

Die Klägerinnen und V.B. beteuern, dass durch die seit neun Monaten bestehende Massnahme eine Veränderung eingetreten sei, was auch von der ärztlichen Fachrichterin bestätigt wird. Diese Veränderung ist jedoch nicht dergestalt, dass im heutigen Zeitpunkt nicht mehr von einer Gefährdung des Kindeswohles gesprochen werden könnte. Die Veränderungen sind innerhalb eines engen Betreuungsrahmens eingetreten und es besteht im heutigen Zeitpunkt überhaupt keine Gewähr dafür, dass sich V.B. allein im erzieherischen Umfeld ihrer Pflegeeltern ohne weitere Gefährdung entwickeln könnte.

 

In Anbetracht aller Umstände, insbesondere der Vorgeschichte und des aktuellen persönlichen Eindrucks von V., ist somit festzuhalten, dass sie ohne Kindesschutzmassnahme im vorhandenen Umfeld nicht in der für ihre körperliche, geistige und sittliche Entfaltung nötigen Weise geschützt und gefördert werden kann und in ihrer weiteren Entwicklung erheblich gefährdet wäre. Diese Gefährdung besteht auch heute noch darin, dass sie die Oberstufe nicht mehr abschliessen kann, was den Einstieg in das Berufsleben erheblich erschweren würde. Insbesondere wären damit die von V. geäusserten Berufswünsche – sie möchte eine Lehre als Coiffeuse absolvieren – nicht mehr realistisch. Zudem besteht ohne Kindesschutzmassnahme weiterhin die Gefahr, dass sie ihre Freizeit sowie ihre persönlichen Beziehungen nicht altersentsprechend gestaltet. Deshalb besteht im Falle einer sofortigen Rückkehr in die gewohnte Umgebung und die Erziehung ihrer Pflegeeltern die ernsthafte Möglichkeit einer Beeinträchtigung des Kindeswohles nach Art. 310 ZGB.

 

4.- Auch wenn bei V. von einer in Art. 310 Abs. 1 ZGB beschriebenen Gefährdung auszugehen ist, erweist sich die von der Vorinstanz verweigerte Entlassung aus dem Jugendheim der Viktoria-Stiftung nur dann als begründet, wenn und soweit der Gefährdung nicht anders begegnet werden kann. Der verfassungsmässige Grundsatz der Verhältnismäs¬sigkeit verlangt, dass ein staatlicher Eingriff in die Freiheit eines Kindes und damit verbunden in das Obhutsrecht der Berechtigten nur so weit gehen darf, als das zu erreichende Ziel dies erfordert. Ausserdem muss die gewählte Anstalt zur Erfüllung dieser Aufgaben geeignet sein.

 

a) Zunächst ist zu prüfen, ob das Jugendheim der Viktoria-Stiftung geeignet ist, der gefährdeten Entwicklung vonV.B. entgegenzuwirken.

 

Der Wegleitung (act. 14) ist zu entnehmen, dass das Heim der pädagogisch ausgerichteten Erziehung, Betreuung, Schulung, Ausbildung und Berufsabklärung von normalbegabten, sozial- und verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen im Schul- und Lehrlingsalter dient. V. passt also grundsätzlich in das Konzept des Jugendheims. Es kann nicht gesagt werden, dass dieses Heim lediglich der Einsperrung jugendlicher Krimineller dient, wie das vom Vertreter der Klägerinnen unterstellt wird.

 

Nach dem Heimeintritt kommen die Jugendlichen vorerst in die geschlossene Durchgangsgruppe. Der dortige Aufenthalt dauert längstens drei Monate und dient der Beruhigung und Stabilisierung, der Motivation zu neuen Zielen und positiver Lebensgestaltung sowie zur Vorbereitung des Aus- und Übertritts. Die Beschulung steht in dieser Phase nicht im Vordergrund und ist nur beschränkt vorgesehen. Danach kommen die Jugendlichen auf eine halboffene Übergangsgruppe. Der Aufenthalt dauert mindestens sechs Monate und ist in die Phasen Eintritt, Stabilisierung und Austritt gegliedert. V. befindet sich nach einem viereinhalb monatigen Aufenthalt in der geschlossenen Durchgangsgruppe in dieser halboffenen Übergangsphase. Dort wird sie in der Wohngruppe sozialpädagogisch betreut und es stehen ihr spezifische Therapie- und Betreuungsangebote zur Verfügung. Im Heim herrschen klare Regeln. Zudem sind die Sanktionen, die bis zum Einschluss führen können, den Jugendlichen bekannt. In schulischer Hinsicht wird den Jugendlichen ein heiminterner Unterricht in Kleinklassen mit einem offiziell anerkannten Schulabschluss auf Sekundar- und Realschulniveau angeboten. Es ist daher davon auszugehen, dass V. adäquat beschult wird.

 

Das Jugendheim der Viktoria-Stiftung bietet V.B. klare Strukturen und eine individuelle schulische Förderung und erweist sich grundsätzlich als geeignet der festgestellten Gefährdung entgegenzuwirken. Dies hat sich auch durch die erwähnten, von V.B. in den vergangenen neun Monaten gemachten Fortschritte gezeigt.

 

b) Sodann ist zu prüfen, ob der Gefährdung von V.B. auch anders begegnet werden kann.

 

Im Zeitpunkt der Heimeinweisung am 23. November 2005 war diese Massnahme im Sinne einer Krisenintervention zweifellos verhältnismässig, zumal V. auf der öffentlichen Schule wie auch auf der Privatschule IWW nicht mehr tragbar war und die Pflegelltern mit ihr überfordert waren. Während dem nun rund neunmonatigen Heimaufenthalt hat sich die Situation beruhigt und V. hat sowohl im schulischen wie auch im sozialen Bereich Fortschritte gemacht. Ein Heimaufenthalt zur Krisenintervention ist heute daher nicht mehr unbedingt nötig. Auf längere Sicht bietet das Jugendheim der Viktoria-Stiftung V.B. aber die Möglichkeit einen Schulabschluss und weitere Stabilität zu erlangen. In Übereinstimmung mit den Fachleuten ist davon auszugehen, dass V. von einem weiteren Aufenthalt im Heim für ihr späteres Leben profitieren würde. Damit V. diese Chance packen könnte, wäre aber ihre eigene Kooperationsbereitschaft und jene ihrer Pflegeeltern unabdingbar. Daran fehlt es völlig, wie die heutige Verhandlung gezeigt hat. Auf lange Sicht ist die Verhältnismässigkeit dieser Massnahme in Zukunft daher nicht mehr gegeben. Insbesondere kann der an sich sinnvolle Abschluss des achten und neunten Schuljahres im Jugendheim der Viktoria-Stiftung nicht zwangsweise durchgesetzt werden. Bei V.B. selbst und deren Pflegeeltern scheint aufgrund der heutigen Verhandlung der Wille zu bestehen, die Probleme anzupacken und aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen. Dies allein genügt jedoch nicht für eine sofortige Entlassung, wie sie von den Klägerinnen beantragt wird.

 

Bevor eine Entlassung aus dem Heim ins Auge gefasst werden kann, muss für V. eine konkrete Anschlusslösung in Form einer geeigneten Beschulung und einer psychologischen Betreuung gewährleistet werden. Eine Entlassung im heutigen Zeitpunkt ist ohne Erfüllung dieser Bedingung angesichts der bestehenden Gefährdung noch nicht zu verantworten. V. würde in ihr altes Umfeld zurückkehren ohne eine schulische Struktur und eine begleitende psychologische Betreuung. Vor einer Entlassung hat daher die Vormundschaftsbehörde in Zusammenarbeit mit den Pflegeeltern und der Schulbehörde eine geeignete Beschulung zu organisieren. Wie bereits in den Eintretenserwägungen ausgeführt wurde (vgl. Erw. 1 lit. e), ist der Schulrat gesetzlich verpflichtet, jährlich die Rückversetzung von Schülern der Sonderschule in die Kleinklasse oder in die Regelklasse zu prüfen. Dies ist bei V.B. Ende November 2006 der Fall. Bis zu diesem Zeitpunkt hat der Schulrat zu prüfen, ob eine Rückversetzung von V.B. in die Kleinklasse oder in die Regelklasse möglich ist bzw. ob eine andere Sonderschule angemessen ist. Leitlinie für diese Prüfung muss sein, dass eine langfristige Fortsetzung des zwangsweisen Aufenthaltes von V.B. im Jugendheim der Viktoria-Stiftung/Richigen nicht mehr möglich ist. Bis zur Klärung dieser schulrechtlichen Frage, zu deren Beurteilung die Verwaltungsrekurskommission nicht zuständig ist, bedarf es einer Aufrechterhaltung der von der Vorinstanz angeordneten fürsorgerischen Freiheitsentziehung, um der ausgewiesenen Gefährdung des Kindeswohles von V.B. zu begegnen. Daher erweist sich die Unterbringung von V. im Jugendheim der Viktoria-Stiftung im heutigen Zeitpunkt als verhältnismässig.

 

c) Zusammenfassend erweisen sich die fürsorgerische Freiheitsentziehung sowie der damit verbundene Obhutsentzug als rechtmässig und angemessen. Die Vorinstanz hat deshalb das Entlassungsgesuch zu Recht abgewiesen. Die Klage ist folglich abzuweisen.

 

5.- Nach Art. 95 Abs. 1 VRP hat in Streitigkeiten jener Beteiligte die Kosten zu tragen, dessen Begehren ganz oder teilweise abgewiesen werden. Es gilt der Grundsatz der Kostentragung nach Massgabe des Obsiegens und Unterliegens (W. Hagmann, Die st. gallische Verwaltungsrechtspflege und das Rechtsmittelverfahren vor dem Regierungsrat, Diss. Zürich 1979, S. 267 f.). Die Abweisung der Klage hat demnach zur Folge, dass die amtlichen Kosten von Fr. 2'000.-- unter solidarischer Haftung den Klägerinnen zu überbinden sind (vgl. Ziffer 362 Gerichtskostentarif, sGS 941.12; Art. 96bis VRP). Anhaltspunkte dafür, dass sich die von der fürsorgerischen Freiheitsentziehung gegenüber einem Kind indirekt betroffenen Klägerinnen in ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnissen befinden (vgl. Art. 97bis Abs. 1 lit. a VRP) bestehen nicht und werden auch nicht geltend gemacht. Unter diesen Umständen ist nicht auf die Erhebung der amtlichen Kosten zu verzichten.

 

Anspruch auf ausseramtliche Entschädigung besteht bei diesem Verfahrensausgang nicht (Art. 98bis VRP).

 

Entscheid:

1. Die Klage wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird.

2. Die Klägerinnen bezahlen unter solidarischer Haftung die amtlichen Kosten von Fr. 2'000.--.

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