Accesskeys

Entscheid Verwaltungsrekurskommission, 13.08.2012

Bewertung von Vermögen, Art. 54 StG. Der in der Schweiz unbeschränkt steuerpflichtige Rekurrent besitzt Grundeigentum in Österreich. Massgebend für die Bewertung ist das StG des Kantons St. Gallen. Für die Bewertung des ausländischen Grundeigentums wird behelfsweise auf ein Nachlassinventar abgestellt, nicht auf den (rund drei Mal tieferen) österreichischen Einheitswert. - Ein Bankdarlehen des Sohnes, für das der Rekurrent mithaftet, wurde zu Recht zum Nennwert bewertet, nicht als kapitalisierter Betrag der vierteljährlichen Zinszahlung. Im Weiteren wurde ein Delcredereabzug auf dem Kontokorrentguthaben des Rekurrenten in der von ihm beherrschten GmbH zu Recht verweigert hat (Verwaltungsrekurskommission, Abteilung I/1, 13. August 2012, I/1-2012/61).

 

 

Präsident Thomas Vögeli, Mitglieder Fritz Buchschacher und Markus Frei; Gerichtsschreiber Thomas Scherrer

 

 

A und B X-Y, Rekurrenten,

vertreten durch Dr. A X,

 

gegen

 

Kantonales Steueramt, Davidstrasse 41, 9001 St. Gallen, Vorinstanz,

 

betreffend

 

Kantons- und Gemeindesteuer (Einkommen und Vermögen 2005)

 

 

Sachverhalt:

 

A.- A und B X-Y sind Rentner und wohnen im eigenen Einfamilienhaus in H. Im Handelsregister ist Dr.chem. A X als einzelzeichnungsberechtigter Geschäftsführer der C GmbH eingetragen. Er ist zudem Eigentümer eines nicht überbauten Grundstücks in Hard/A. Für 2005 deklarierten die Eheleute X-Y am 11. Juli 2006 ein steuerbares Einkommen von Fr. 78'343.-- und ein steuerbares Vermögen von Fr. 193'536.--. Die Veranlagungsbehörde erfasste bei den Einkünften die zu 40% deklarierten Renten der Deutschen Rentenversicherung zu 100% und nahm weitere geringfügige Korrekturen vor. Beim Vermögen rechnete sie den Delkredereabzug von Fr. 25'850.-- auf dem Kontokorrentguthaben von A X bei der C GmbH, ein Darlehen an den Sohn in der Höhe von Fr. 200'564.-- und einen Wert des Grundstückes in Hard/A von Fr. 80'000.-- auf; gleichzeitig berücksichtigte sie eine durch die Verpfändung des Grundstücks in Hard gesicherte Schuld bei der Z-Bank von Fr. 200'564.--. Zudem nahm sie die Steuerausscheidung mit Österreich vor, wobei der Schuldzinsenüberhang auf der Liegenschaft in Österreich, nicht aber die Unterhaltskosten vom Kanton St. Gallen übernommen wurden. A und B X-Y wurden am 26. Oktober 2011 mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 88'100.-- zum Satz von Fr. 87'900.-- und mit einem steuerbaren Vermögen von Fr. 279'000.-- zum Satz von Fr. 300'000.-- veranlagt.

 

B.- Mit Einsprache vom 24. November 2011 beantragte A X die Anwendung des Doppelbesteuerungsabkommens mit Österreich sowie die Bewertung des Grundstücks in Hard/A zum österreichischen Einheitswert, des Darlehens gegenüber dem Sohn zum Barwert einer Zeitrente und der Kontokorrentforderung gegenüber der C GmbH unter Berücksichtigung eines Delkredereabzugs. Das kantonale Steueramt wies die Einsprache am 24. Februar 2012 ab.

 

C.- Gegen den Einspracheentscheid vom 24. Februar 2012 erhob A X für sich und für B X-Y mit Eingabe vom 26. März 2012 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission. In der Sache beantragen sie, der Einspracheentscheid sei "auf­zuheben hinsichtlich der Steuerausscheidung von Grundbesitz in Österreich und der Bewertung von Guthaben und der daraus sich ergebenden Einkommens- und Vermögenssteuern und eine gesetzeskonforme Veranlagung vorzugeben".

 

Das kantonale Steueramt beantragte mit Vernehmlassung vom 14. Mai 2012, der Rekurs sei unter Kostenfolge zulasten der Rekurrenten abzuweisen. Unter Einreichung weiterer Akten nahmen die Rekurrenten dazu am 4. Juni 2012 Stellung.

 

Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

 

Erwägungen:

 

1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 26. März 2012 ist rechtzeitig eingereicht worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 194 Abs. 1 des Steuergesetzes, sGS 811.1, abgekürzt: StG; Art. 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.

 

2.- Im Rekurs ist die Ermittlung des steuerbaren und des satzbestimmenden Vermögens umstritten. Der Rekurrent rügt die Bewertung des Grundstücks in Hard/A, die zu einer indirekten Diskriminierung steuerpflichtiger Ausländer führe (vgl. dazu nachfolgend E. 3) sowie seiner Darlehensforderung gegenüber dem Sohn (vgl. dazu nachfolgend E. 4) und seiner Kontokorrentforderung gegenüber der C GmbH (vgl. dazu nachfolgend E. 5).

 

3.- Die Vorinstanz hat das Grundstück des Rekurrenten in Hard/A per 31. Dezember 2005 mit Fr. 80'000.-- bewertet. Zur Begründung macht sie geltend, das Grundstück diene der Z-Bank als Pfandsicherung für ein Darlehen in der Höhe von Fr. 200'000.--. Weitere Sicherheiten seien nicht erbracht worden. Der Rekurrent hält dem entgegen, der steuerliche Verkehrswert betrage entsprechend dem im Jahr 1995 letztmals festgelegten österreichischen Einheitswert Fr. 18'828.--. Die Bank habe das Darlehen zur Gründung einer Arztpraxis durch seinen Sohn gewährt und die Bonität des Rekurrenten als Erstschuldner und des Sohnes als Zweitschuldner geprüft.

 

a) Zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Republik Österreich wurde am 30. Januar 1974 ein Abkommen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung auf dem Gebiete der Steuern vom Einkommen und Vermögen (SR 0.672.916.31, abgekürzt: DBA-A) abgeschlossen, welches am 4. Dezember 1974 in Kraft getreten ist. Gemäss Art. 22 Abs. 1 DBA-A darf unbewegliches Vermögen in dem Vertragsstaat besteuert werden, in dem dieses Vermögen liegt. Hat eine in einem Vertragsstaat ansässige Person Vermögen, das nach dem Abkommen im anderen Vertragsstaat besteuert werden darf, so nimmt der erstgenannte Staat dieses Vermögen von der Besteuerung aus, darf aber bei der Festsetzung der Besteuerung für das übrige Vermögen dieser Person den Steuersatz anwenden, der anzuwenden wäre, wenn das betreffende Vermögen nicht von der Besteuerung ausgenommen wäre (vgl. Art. 23 Abs. 1 DBA-A). Zur Bewertung der Grundstücke enthält das DBA-A keine Vorschriften. Die Bemessung des Vermögens bleibt deshalb dem internen Recht überlassen (vgl. P. Locher, Einführung in das internationale Steuerrecht der Schweiz, 3. Aufl. 2005, S. 99).

 

Art. 54 StG stellt bei der Vermögensbewertung auf den Verkehrswert ab. Der Verkehrswert von Grundstücken entspricht dem mittleren Preis, zu dem Grundstücke gleicher oder ähnlicher Grösse, Lage und Beschaffenheit in der betreffenden Gegend veräussert werden (Art. 57 Abs. 1 StG). Das steuerbare Vermögen bemisst sich nach dem Stand am Ende der Steuerperiode oder der Steuerpflicht (Art. 68 Abs. 1 StG). Die Gleichbehandlung von Steuerpflichtigen mit Grundstücken im Ausland und Steuerpflichtigen mit Grundstücken in der Schweiz bedingt, dass zur Ermittlung des Gesamtvermögens im internationalen Verhältnis sämtliche Vermögenswerte auf einen vergleichbaren Wert gebracht werden. Sehen die einschlägigen ausländischen Gesetzesbestimmungen gegenüber den schweizerischen Vorschriften eine sehr tiefe Bewertung vor, so ist es angezeigt, die ausländischen Liegenschaften dem gleichen Bewertungsmassstab wie die schweizerischen zu unterwerfen. Soweit der Steuerpflichtige keine Marktwertschätzung des ausländischen Grundstückes beibringen kann, ist eine die Verhältnisse des Einzelfalls berücksichtigende, ermessensweise Festlegung angezeigt (vgl. SGE 2004 Nr. 27 E. 2b).

 

b) Der Einheitswert des Grundstückes Nr. 001/1 in Hard/A wurde per 1. Januar 1995 vom Finanzamt Bregenz aufgrund des Bewertungsgesetzes als unbebautes Grundstück auf AS 111'000.-- (619 m2 à AS 180.--) festgesetzt und am 23. Juli 1997 um 35% auf AS 149'000.-- erhöht. Im Rahmen der Errichtung eines Nachlassinventars wurde das an das Grundstück Nr. 001/1 angrenzende Grundstück Nr. 001/2, das eine Fläche von 618 m2 aufweist, im Jahr 2008 mit € 32'484.75 bewertet (€ 52.56/m2; dreifacher Einheitswert). Da das Nachlassinventar der Feststellung des Vermögens insbesondere auch im Hinblick auf eine zukünftige Teilung dient, ist davon auszugehen, dass dieser Wert dem Marktwert eher Rechnung trägt als der Einheitswert. Damit besteht ein klarer Anhaltspunkt dafür, dass der österreichische Einheitswert, auf den sich der Rekurrent beruft, wesentlich unter dem Marktwert liegt, der für die Bewertung des Vermögens nach st. gallischem Steuerrecht massgebend ist.

 

Daraus, dass das von der Z-Bank gegenüber dem Rekurrenten und seinem Sohn gewährte Darlehen in der Höhe von Fr. 200'000.-- mit einem Pfand am Grundstück Nr. 001/1 gesichert wurde, kann noch nicht auf einen entsprechenden Marktwert des Grundstücks geschlossen werden. Das Darlehen wurde nach Prüfung der Bonität der beiden Schuldner gewährt. Dabei wurden auch deren Einkommens- und Vermögensverhältnisse berücksichtigt. Zudem wurde eine Rückzahlung des gesamten Darlehens innerhalb von 20 Jahren vereinbart. Dies weist ebenfalls darauf hin, dass der Wert des Grundstücks nicht die gesamte Forderung sicherzustellen vermag. Das Darlehen wurde zur Finanzierung der neuen Arztpraxis des Sohnes des Rekurrenten gewährt. Insoweit kommt ihm die Funktion eines Betriebskredites und nicht diejenige einer Hypothek zu. Deshalb ist die Vorinstanz zu Recht auch nicht davon ausgegangen, das Darlehen gebe den Wert des Grundstückes wieder. Umgekehrt lässt der Umstand, dass die Bank das Grundstück als Pfand akzeptiert hat, den Schluss zu, dass dessen Wert im Vergleich zur Höhe des Darlehens nicht unbedeutend ist. Auch dies spricht dagegen, dass im Einheitswert von rund Fr. 18'000.-- der Marktwert des Grundstückes zum Ausdruck kommt.

 

Das Grundstück ist im Flächenwidmungsplan unbestrittenermassen als "Bauerwartungsland Wohnen" ausgeschieden. Eine Überbauung erscheint deshalb zurzeit nicht möglich, jedoch darf mit einer Umwidmung in Bauland gerechnet werden. Es ist deshalb angebracht, von dem im Jahr 2008 im Rahmen eines Nachlassinventars festgestellten Wert des Nachbargrundstücks von rund € 52.56/m2 auszugehen. Dies ergibt für das Grundstück des Rekurrenten mit einer Fläche von 619 m2 einen Wert von Fr. 32'537.--. Bei dem Ende 2005 aktuellen Devisenkurs von Fr. 1.55/€ ergibt sich ein Wert von Fr. 50'432.84. Da die schweizerischen Steuerbehörden den Wert des Grundstücks nicht selbst schätzen können und weder eine aktuelle Schätzung durch die österreichischen Behörden vorliegt noch tatsächlich bezahlte Vergleichspreise für Grundstücke mit der gleichen Flächenwidmung an vergleichbarer Lage bekannt sind, ist lediglich eine annäherungsweise Festsetzung des Verkehrswertes möglich. Weil – wie ausgeführt – der Wert im Nachlassinventar dem tatsächlichen Wert viel eher Rechnung trägt als der Einheitswert, ist es gerechtfertigt, den Verkehrswert des Grundstücks per 31. Dezember 2005 auf Fr. 50'000.-- festzulegen.

 

c) Dementsprechend ist der Rekurs, insoweit damit die Bewertung des Grundstücks des Rekurrenten in Hard/A beanstandet wird, teilweise gutzuheissen. Der Einspracheentscheid vom 24. Februar 2012 ist aufzuheben. Bei der Ermittlung des steuerbaren und des satzbestimmenden Vermögens ist das Grundstück des Rekurrenten in Hard/A per 31. Dezember 2005 mit einem Verkehrswert von Fr. 50'000.-- zu berücksichtigen. Die Angelegenheit ist zu neuer Entscheidung und zu neuer Steuerausscheidung mit Österreich – das veränderte Verhältnis zwischen ausländischen und inländischen Aktiven wird sich auch auf die Verlegung von Schulden und Schuldzinsen auswirken – an die Vorinstanz zurückzuweisen (vgl. Art. 56 Abs. 2 VRP).

 

Die Bewertung ausländischen unbeweglichen Vermögens nach dem Marktwertprinzip führt im Übrigen nicht zu einer Schlechterstellung österreichischer Staatsangehöriger im Verhältnis zu Schweizern bei der Besteuerung. Sie stellt insbesondere keine Verletzung von Art. 24 Abs. 1 DBA-A, wonach die Staatsangehörigen eines Vertragsstaates in dem anderen Vertragsstaat weder einer Besteuerung noch einer damit zusammenhängenden Verpflichtung unterworfen werden dürfen, die anders oder belastender sind als die Besteuerung und die damit zusammenhängenden Verpflichtungen, denen die Staatsangehörigen des anderen Staates unter gleichen Verhältnissen unterworfen sind oder unterworfen werden können, dar.

 

4.- Der Rekurrent hat zusammen mit seinem Sohn bei der Z-Bank zur Finanzierung der Arztpraxis seines Sohnes ein Darlehen in der Höhe von Fr. 200'000.-- aufgenommen. Die Vorinstanz hat dieses Darlehen bei der Ermittlung des steuerbaren Vermögens einerseits als Darlehensschuld des Rekurrenten gegenüber der Bank und anderseits als Darlehensforderung des Rekurrenten gegenüber seinem Sohn erfasst. Sie ist in beiden Fällen von der Höhe gemäss dem Kontoauszug der Bank per 31. Dezember 2005 von Fr. 200'564.-- ausgegangen. Der Rekurrent macht geltend, die Darlehensforderung gegenüber seinem Sohn sei nach der Barwertmethode einer regelmässigen vierteljährlichen Zahlung, d.h. mit Fr. 145'208.--, zu bewerten.

 

a) Gemäss Art. 54 StG wird das Vermögen grundsätzlich zum Verkehrswert bewertet. Rechte und Forderungen, wie z.B. Bankguthaben und gesicherte oder ungesicherte Darlehensforderungen, sind in der Regel zum vollen Nennwert zu bewerten. Bei der Bewertung unsicherer oder bestrittener Rechte und Forderungen wird die Verlustwahrscheinlichkeit berücksichtigt. Bei pfandgesicherten Forderungen ist eine Bewertung unter pari nur am Platz, wenn Schuldner und Pfand ungenügende Sicherheit bieten; entscheidend ist dabei die Gesamtheit aller Umstände: Zinssatz, Kündbarkeit, Wert des (Grund-)Pfandes, Zahlungsfähigkeit des Schuldners (vgl. Weidmann/Grossmann/Zigerlig, Wegweiser durch das st. gallische Steuerrecht, 6. Aufl. 1999, S. 214).

 

Die st. gallische Regelung entspricht den Vorgaben von Art. 14 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und Gemeinden (SR 642.14, abgekürzt: StHG). Danach wird das Vermögen zum Verkehrswert bewertet, wobei der Ertragswert angemessen berücksichtigt werden kann. Als Verkehrswert gilt der objektive Marktwert eines Vermögensobjektes. Dieser entspricht dem Preis, der bei einer Veräusserung im gewöhnlichen Geschäftsverkehr mutmasslich zu erzielen ist, den also ein unbefangener Käufer unter normalen Umständen zu zahlen bereit wäre (BGE 128 I 240 E. 3.1.2; Zigerlig/Jud, in: Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, Band I/1, 2. Aufl. 2002, N 1 zu Art. 14 StHG). Die Bewertung zum Verkehrswert ist für die Kantone bindend. Nach welchen Regeln der Verkehrswert zu ermitteln ist, schreibt das StHG indessen nicht vor. Ebensowenig wird die Kann-Vorschrift der angemessenen Berücksichtigung des Ertragswerts näher geregelt. Den Kantonen steht daher ein weiter Ermessensspielraum offen (BGE 134 II 207 E. 3.6 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 2C_800/2008 vom 12. Juni 2009 E. 2.1). Auch für Schulden und Guthaben unter Privaten gilt allgemein das Nennwertprinzip (Nominalwertprinzip). Forderungen sind daher in der Regel zum Nennwert zu erfassen. Dies gilt auch für langfristige und unverzinsliche Schulden, die nicht nur zum Barwert zu erfassen sind (vgl. Zigerlig/Jud, a.a.O., N 17 zu Art. 14 StHG).

 

b) aa) Da das Darlehen der Finanzierung der neuen Arztpraxis des Sohnes des Rekurrenten dient und der Rekurrent zur Sicherstellung sein Grundstück in Hard/A verpfändet hat, ist – was im Übrigen im Rekurs unbestritten ist – davon auszugehen, dass zwar gegenüber der Bank beide gemeinsam als Schuldner haften, im internen Verhältnis jedoch eine Forderung des Rekurrenten gegenüber seinem Sohn in der Höhe des gesamten Darlehens besteht. Dass die Forderung gegenüber dem Sohn unsicher ist und dieser seinen Verpflichtungen gegenüber der Bank bisher nicht oder nur ungenügend nachgekommen wäre, wird nicht geltend gemacht.

 

bb) Die vom Rekurrenten herangezogene Methode der Barwertermittlung kann auf die Bewertung von Darlehensforderungen nicht angewendet werden. Der Rekurrent beruft sich auf die Weisungen der Vorinstanz zu Art. 135 und 136 StG. Diese Bestimmungen regeln die Ermittlung des Veräusserungserlöses und der Anlagekosten zur Berechnung des steuerbaren Grundstückgewinns. Die Weisungen (StB 135 Nr. 2 und 136 Nr. 4) betreffen die Kapitalisierung periodischer Leistungen bzw. die Bestimmung des Barwerts einer Zeitrente. Die Anwendung dieser Methode dient der Ermittlung eines Kapitals in jenen Fällen, in denen der Wert regelmässiger periodischer im Wert konstanter Leistungen, nicht aber die Gesamtleistung feststeht. Demgegenüber ist dem Rekurrenten die Höhe der Kapitalforderung gegenüber seinem Sohn bekannt. Sie entspricht der aktuellen Darlehensforderung der Z-Bank gegenüber dem Rekurrenten und seinem Sohn.

 

Aus der Kapitalforderung, dem aktuellen Zinssatz und der vereinbarten Rückzahlungsdauer wird die Höhe der vierteljährlichen Leistungen ermittelt. Weil der Zinssatz nicht für die gesamte Laufzeit fix vereinbart worden ist, sondern Schwankungen unterworfen sein kann, kann deshalb darüber hinaus auch nicht von einer fixen Höhe der vierteljährlichen Forderungen der Bank aus dem Darlehensvertrag ausgegangen werden. Insoweit fehlt es an einer "Zeitrente", aus welcher auf ein Kapital geschlossen werden kann.

 

Die Forderung des Rekurrenten gegenüber seinem Sohn kann im Übrigen nicht geringer sein als die Forderung, welche die Bank gegenüber diesem und dem Rekurrenten als gleichermassen verpflichteten Schuldnern hat, zumal im Rekurs – wie bereits ausgeführt – nicht geltend gemacht wird, im internen Verhältnis zwischen dem Rekurrenten und seinem Sohn sei etwas anderes abgemacht worden, als dass dieser für die gesamte Forderung der Bank und die Zinsen aufzukommen hat. Die Beteiligung des Vaters steht vorab im Zusammenhang mit der Sicherstellung des Darlehens durch die Verpfändung seines Grundstückes in Hard/A.

 

c) Dementsprechend erweist sich der Rekurs, soweit damit die Höhe der Darlehensforderung des Rekurrenten gegenüber seinem Sohn bestritten wird, als unbegründet.

 

5.- Der Rekurrent ist einzelzeichnungsberechtigter Geschäftsführer der C GmbH, welche im Geschäftsabschluss per 31. Dezember 2005 eine Kontokorrentforderung des Rekurrenten von Fr. 65'850.-- ausweist. Er hat seine Forderung im Wertschriftenverzeichnis mit Fr. 40'000.-- bewertet. Ausschlaggebend für die Unsicherheit des Guthabens sei der weitgehende Verlust der Eigenkapitalbasis der C GmbH. Die Vorinstanz hat die Forderung bei der Ermittlung des steuerbaren Vermögens in ihrer vollständigen Höhe als Guthaben behandelt. Zur Begründung führt sie aus, da bereits in der Bilanz der C GmbH eine Delkredereposition enthalten sei, könne der Rekurrent das Verlustrisiko nicht nochmals geltend machen.

 

a) Die rechtlichen Grundlagen der Erfassung von Guthaben bei der Ermittlung des steuerbaren Vermögens sind bereits dargestellt worden (vgl. dazu oben E. 4a).

 

b) In der Bilanz der C GmbH per 31. Dezember 2005 werden unter anderem einerseits Debitoren von Fr. 72'380.-- mit einem Delkredere von Fr. 25'000.-- und anderseits als Kreditor die Kontokorrentschuld gegenüber dem Rekurrenten von Fr. 65'849.58 ausgewiesen. Dem Anlagevermögen – nach Berücksichtigung des Verlustrisikos bei den Debitoren im Umfang von über einem Drittel der gesamten Forderungen – von knapp Fr. 70'000.-- steht im Wesentlichen die Forderung des Rekurrenten von knapp Fr. 66'000.-- gegenüber. Die Erfolgsrechnung für das Geschäftsjahr 2005 weist einen Gewinn von rund Fr. 5'000.-- aus, wobei von den Honorareinnahmen von knapp Fr. 62'000.-- bereits Fr. 19'000.--, d.h. rund 30% Debitorenverluste abgerechnet wurden. Debitorenverluste und Delkredere wurden damit in einem über das übliche Mass von 10% der Kundenforderungen (vgl. Weidmann/Grossmann/Zigerlig, a.a.O., S. 64 f.; StB 41 Nr. 6) hinausgehenden Umfang berücksichtigt, so dass angesichts der Nachweispflicht des Steuerpflichtigen für die steuermindernden Tatsachen (vgl. Weidmann/Gross­mann/Zigerlig, a.a.O., S. 379 f.) davon auszugehen ist, dass die C GmbH die per 31. Dezember 2005 absehbaren Inkassorisiken in ihrem Rechnungsabschluss vollumfänglich geltend gemacht hat. Eine Rangrücktrittserklärung gab der Rekurrent erst am 29. November 2008 ab. Deshalb ist aus der auch vom Rekurrenten unterzeichneten Jahresrechnung der C GmbH für das Geschäftsjahr 2005 zu schliessen, dass die Forderung des Rekurrenten gegenüber der C GmbH durch deren Anlagevermögen vollumfänglich gedeckt war und kein Anlass bestand, seine Kontokorrentforderung per 31. Dezember 2005 als unsicher einzuschätzen.

 

c) Dementsprechend erweist sich der Rekurs auch insoweit, als damit eine Wertberichtigung

der Forderung des Rekurrenten gegenüber der C GmbH beantragt wird, als unbegründet.

 

6.- Zusammenfassend ergibt sich deshalb, dass der Rekurs teilweise gutzuheissen ist. Der Einspracheentscheid vom 24. Februar 2012 ist aufzuheben. Die Angelegenheit ist im Sinn der Erwägungen (vgl. dazu oben E. 3c) zu neuer Entscheidung und zu neuer Steuerausscheidung mit Österreich an die Vorinstanz zurückzuweisen.

 

7.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten zu drei Vierteln den Rekurrenten aufzuerlegen; einen Viertel der Kosten trägt der Staat (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 800.-- ist angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist zu verrechnen.

 

Entscheid:

 

1.    Der Rekurs wird teilweise gutgeheissen und der angefochtene

       Einspracheentscheid der Vorinstanz vom 24. Februar 2012 aufgehoben.

2.    Die Angelegenheit wird im Sinn der Erwägungen zu neuer Entscheidung

       und zu neuer Steuerausscheidung mit Österreich an die Vorinstanz

       zurückgewiesen.

3.    Die Rekurrenten bezahlen die amtlichen Kosten von Fr. 800.-- zu drei Vierteln

       unter Verrechnung des Kostenvorschusses von Fr. 600.--; einen Viertel der

       Kosten trägt der Staat.

 

Servicespalte